Wandgestaltung: Mehr Als Nur Farbe
Ich habe meine erste eigene Wohnung vor zehn Jahren mit einer und einem Eimer Dispersionsfarbe in „Reinweiß" tapeziert. Drei Tage lang habe ich geklebt, geschnitten und gestrichen, nur um festzustellen, dass die Wand hinter dem Sofa eh niemand sieht. Seitdem habe ich einiges dazugelernt über Wandgestaltung. Es geht nicht darum, jede Fläche perfekt zu kaschieren, sondern darum, Räume lebendig zu machen. In meiner kleinen Altbauwohnung mit den drei Metern Deckenhöhe habe ich angefangen, mit Texturen zu spielen. Ein grober Putz in warmem Sandton bringt Struktur, ohne aufdringlich zu wirken. Und wenn die Sonne nachmittags durch das Fenster fällt, entstehen Schatten, die den Raum gliedern. Das ist etwas, was eine glatte weiße Wand nie schafft.
Wenn ich Besuch bekomme, der über Nacht bleibt, wird mein Esszimmer plötzlich zum Gästezimmer. Dafür habe ich mir eine Couch mit Schlaffunktion zugelegt, die aber tagsüber als gemütliche Sitzgelegenheit dient. Die erste, die ich testete, war furchtbar unbequem – die Matratze war dünn wie ein Handtuch. Jetzt setze ich auf ein Modell mit einem 16 cm dicken Schaumstoffkern auf einem Lattenrost. Das macht einen riesigen Unterschied. Die Polsterung ist aus strapazierfähigem Stoff, nicht aus billigem Kunstleder, das nach einem Jahr abblättert. Achtet auch auf die Breite: 140 Zentimeter reichen für eine Person, für zwei wird es eng. Ich habe mich für 160 Zentimeter entschieden, und selbst mein großer Bruder schläft darauf erstaunlich gut.
Die Beleuchtung ist ein weiterer Punkt, den viele vernachlässigen. Eine einzelne Deckenlampe über dem Tisch ist oft zu grell oder zu schummrig. Ich habe eine Pendelleuchte mit einem Dimmer installiert, die ich je nach Stimmung einstellen kann. Zum Frühstück mag ich helles Licht, zum Abendessen mit Freunden eine warme, gedimmte Atmosphäre. Zusätzlich habe ich zwei kleine Wandleuchten an der Seite, die den Raum weicher machen. Achtet darauf, dass die Leuchte nicht tiefer als 75 Zentimeter über der Tischplatte hängt, sonst blendet sie. Und wenn ihr einen runden Tisch habt, wählt eine runde Lampe – das wirkt harmonischer.
Am Ende ist Wandgestaltung für mich ein Prozess. Ich probiere aus, scheitere manchmal und freue mich dann über die guten Lösungen. Letztes Jahr habe ich die Wand hinter dem Esstisch mit Korkplatten verkleidet. Das war eine spontane Idee, weil ich keine Bilderrahmen aufhängen wollte. Jetzt pinne ich einfach Einladungen und Fotos mit Reißzwecken an die Korkwand. Das ist praktisch und sieht lebendig aus. Die Korkstruktur hat einen warmen, natürlichen Ton, der zu den Holzmöbeln passt. Ich habe dort einen kleinen Sitzbereich mit einem Sessel und einer Stehlampe eingerichtet. Die Wandgestaltung mit Kork ist robust genug, um die tägliche Nutzung auszuhalten. Und wenn ich die Pins entferne, bleiben kaum Löcher zurück. Das ist mein Lieblingsprojekt der letzten Monate.
Ein großes Problem war die Aufbewahrung von Kissen und Decken. Sie flogen immer herum oder wurden nass. Also baute ich eine schmale Bank mit Klappdeckel entlang der Hauswand. Darunter habe ich genug Stauraum für alle Textilien. Die Polster für die Sitzgruppe sind übrigens mit einer tapicerka welurowa bezogen, die sich unglaublich weich anfühlt. Ich habe sie in einem warmen Terrakotta-Ton gewählt, der hervorragend mit dem Grau der Steine harmoniert. Die Velour-Oberfläche ist pflegeleicht, man kann Flecken einfach abwischen. Und weil ich auch mal ein Buch lesen will, ohne dass die Sonne blendet, habe ich einen großen Sonnenschirm mit seitlichem Ausleger gekauft. Er lässt sich flexibel drehen, sodass ich den Schatten genau dorthin lenken kann, wo ich sitze. Diese kleinen Anpassungen machen den Alltag auf der Terrasse so viel angenehmer.
Am Ende zählt nicht die Größe des Tisches oder die Anzahl der Stühle. Was zählt, ist die Atmosphäre. Wenn ich heute in meinem Esszimmer sitze, umgeben von den Möbeln, die ich sorgfältig ausgewählt habe, fühle ich mich geborgen. Der Tisch hat Gebrauchsspuren, die Bank knarzt ein wenig, und die Lampe hängt nicht perfekt gerade. Aber genau das macht es lebendig. Ein Esszimmer einrichten ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. Es darf sich verändern, wachsen und manchmal auch schrumpfen. Hauptsache, es fühlt sich richtig an – für euch und die Menschen, die ihr daran versammelt. Und wenn ihr mal einen Fehler macht, ist das auch okay. Aus jedem Umzug habe ich etwas gelernt.
Ein häufiger Fehler ist, das Esszimmer zu vollzustellen. Ich habe das selbst gemacht: ein Sideboard, ein Regal, ein großer Tisch, sechs Stühle – es war wie ein Möbellager. Jetzt habe ich nur das Nötigste: den Tisch, vier Stühle, eine schmale Kommode und eine Bank an der Wand. Die Bank dient gleichzeitig als Ablage für Taschen und als Sitzplatz für zwei Personen. Darunter steht ein Korb für Decken, den ich im Winter raushole. Das Geheimnis ist, dass jeder Gegenstand eine Funktion haben muss. Wenn etwas nur schön aussieht, aber keinen Nutzen bringt, fliegt es raus. So bleibt der Raum luftig und einladend, ohne dass ich ständig aufräumen muss.